
Die systemische Aufstellungsarbeit für Tiere und ihre Menschen
Jeder, der die systemische Aufstellungsarbeit kennt, weiß um die Gesetzmäßigkeiten der Ordnungen der Liebe, der Anerkennung, Verstrickung und Identifikation.
In der Vergangenheit wurde immer wieder die Frage diskutiert, ob Aufstellungsarbeit für Tiere möglich ist.
Ja, denn auch Tiere haben eine Seele!
Auch jeder „Nichtfachmann“ und Tierbesitzer kennt die grenzenlose Liebe seines Tieres, sein Gespür für Veränderungen, Störungen und seine Treue über den Tod hinaus.
Denken wir nur an die wahre Begebenheit des Hundes, der bis zu seinem eigenen Tod auf dem Grabe seines verstorbenen Herren Platz nahm und nicht zu bewegen war, sich von dort zu entfernen.
„Ich folge dir in den Tod aus Liebe“
Auch Sätze wie „ich mache das für dich aus Liebe“
finden sich häufig in Pressemeldungen wieder: Der Hund lebte die Aggressionen des Halters aus und wurde zur Gefahr für andere Menschen und/oder Tiere.
Natürlich werden einige Kritiker behaupten, dass dies alles nur anerzogen oder antrainiert wurde, womit sie durchaus nicht Unrecht haben.
Aber warum wurde diesem Hund diese Aggression antrainiert bzw. verstärkt?
Und für wen wird dieser Hund letztendlich „ auffällig“?
Auch wenn ein Satz fällt wie z.B., „das hat er ja noch nie gemacht“,
symbolisiert dies nur die unbewussten, versteckten Aggressionen des Halters, die dieser nicht wahrhaben will und ausleben kann.
Es gibt ein altes Sprichwort, das sagt:
„Zeige mir das Verhalten deines Hundes,
und ich sage dir, wer du bist!“
Wir kennen auch viele Vorfälle, in denen Tiere für ihre Besitzer in den Tod gingen, um diese zu retten:
„Lieber ich als du“
Alle diese Ereignisse geschehen aus tiefer Liebe.
Was geht in diesen Tieren vor, und warum erkranken auch sie häufig an psychosomatischen Störungen? Welche Ursache hat ihr unerklärbares Leiden, und wie kann man dieser Ursache auf den Grund gehen?
Erschwerender Weise kommt hinzu, dass sich Tiere nicht so mitteilen können, dass wir sie verstehen. Tiere leiden meistens stumm, und der besorgte Halter leidet mit ihnen, unwissend über die Möglichkeit eines besseren Verstehens ihrer Anliegen.
Gibt es für uns eine Möglichkeit uns in die „Lage“ des Tieres zu versetzen? Es auf unsere Weise verstehen zu können?
Auch die umfangreichsten tierärztlichen Untersuchungsmethoden haben ihre Grenzen.
Viele Erkrankungen bei Tieren haben keine organische Ursache.
Woher kommen auch die plötzlichen Verhaltensveränderungen, Auffälligkeiten oder anderen psychischen oder physischen Störungen, für die es keine plausible Erklärung gibt?
Welche Mitteilungen liegen in diesen Störungen oder Krankheiten?
Was will uns das Tier damit sagen?
Viele dieser Erkrankungen sind Ausdruck seelischen Leidens, ohne das wir erkennen konnten, was dem Tier wirklich fehlt!
Oft stehen Tiere für die nicht gelebten Wünsche, Sehnsüchte, Leistungen und Ziele ihrer Halter. Erfüllen sie dessen Erwartungen nicht, entsteht oft eine Disharmonie zwischen Mensch und Tier. Der Mensch fühlt sich in seiner Aufgabe der Versorgung und Betreuung nachfolgend nicht selten überfordert, das Tier reagiert in der Regel mit auffälligem oder unerwünschtem Verhalten bis hin zu Aggressionen oder Krankheiten, was wiederum zu Problemen für den Menschen führt.
Viele Aufstellungen sind auch Beleg dafür, dass die Tiere durch ihr Verhalten oder durch ihre Erkrankungen auf nicht gelöste Probleme des Menschen im Familiensystem hinweisen.
In der Regel handelt es sich hierbei um besonders tiefgreifende Ereignisse oder schwere Schicksalsschläge, die von den Angehörigen tief verdrängt oder nicht richtig wahrgenommen wurden. Auch schwer lebbare und starke Gefühle, die nicht gelebt werden durften, spielen dabei eine Rolle.
Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass der Heilungsprozess und die Harmonie von Tier und Halter enorm unterstützt werden kann, wenn im Familiensystem des Menschen die systemische Ordnung wiederhergestellt wurde.
Verborgene Emotionen und angestaute Gefühle haben in der Tieraufstellung die Möglichkeit, frei zu fließen. Dadurch wird ein Prozess in Gang gesetzt, der Blockaden löst und Zugang zum eigenen Selbst ermöglicht.
Tieraufstellungen eignen sich für alle Bereiche der Lösungsfindung, seien diese physiologischer oder psychologischer Art. Auch als Entscheidungshilfen bei anstehenden Veränderungen in den Lebensumständen, seien diese privater oder beruflicher Art, kann die Aufstellungsarbeit tiefe Einblicke und klare Hinweise geben. Dem Tierhalter wird hiermit eine Möglichkeit der Lösungsfindung aufgezeigt, die mit wenig Aufwand möglich ist.
Wir müssen endlich Abstand davon nehmen, immer nur die Wirkung, die Symptome zu bekämpfen. Vielmehr sollten wir uns die Ursache für die vorliegende Störung in der Mensch-Tier- Beziehung vor Augen halten.
Mit der systemischen Aufstellung haben wir eine Möglichkeit, die wir für unsere Tiere nutzen sollten.
Die Erfolge, die wir bis heute bei dieser Arbeit hatten, viele Tierschicksale zu lindern oder gar zu verhindern sowie die vielen betroffenen Tierhalter wieder glücklich zu machen, sprechen für sich.
Die Aufstellungsarbeit für Tiere bietet uns die Möglichkeit, uns emotional, psychisch und physisch in das Tier hineinzuversetzen und Lösungen für es zu finden.
Auch individuelle Bachblütenmischungen können in Verbindung mit der Aufstellungsarbeit helfen, den Seelenfrieden des Tieres wiederherzustellen.
Von den positiven Ergebnissen dieser Arbeit werden Sie überrascht sein. Auch der äußerst geringe Aufwand, der mit dieser lösungsorientierten Tierpsycho-logischen Arbeit einhergeht, spricht für sie.
Anwendungsbereiche der systemischen Tieraufstellung
Die Tieraufstellungsarbeit vermittelt tiefe Einblicke in die Psyche/Seele des Tieres. Ebenso lässt sie die energetischen Dynamiken im gesamten Umfeld erkennen.
Tieraufstellungen eignen sich grundsätzlich für alle Bereiche der Lösungsfindung, seien diese physiologischer oder psychologischer Art, sowie als Entscheidungshilfen bei Veränderungen und unerklärbaren Verhaltensauffälligkeiten.
Ebenfalls bietet Ihnen diese Arbeit die Möglichkeit des mentalen Trainings, als erweiterte Kommunikation auf Seelenebene, hilfreich für viele bevorstehende Situationen. Dies gewährleistet für das Tier eine verständliche, stressfreie Vorbereitung, wie sie sonst kaum möglich währe.
Beispiele
-Das Tier zeigt auffälliges, unerklärliches Verhalten
-das Tier zeigt unerwünschtes Verhalten aufgrund einer familiären Veränderung (Baby, Umzug, Trennung)
-das Tier zeigt aggressives oder unsauberes Verhalten
-das Tier ist aggressiv gegenüber Artgenossen
-Disharmonie und/oder Eifersucht zwischen mehreren Tieren
(Gruppenhaltung oder gleicher Haushalt)
-der Tierhalter hat eigene Probleme, beruflich oder privat, die sich auf das Tier auswirken
-für den Tierhalter steht eine Entscheidung an, die das Tier betrifft
(Abgabe, Euthanasie usw.)
-für den Tierhalter steht eine Entscheidung an, beruflich oder privat, die auch das Tier betrifft
-der Tierhalter durchläuft selbst eine Lebenskrise und sucht nach einer Lösung
-der Mensch kann die Trauer um ein verstorbenes Tier nicht beenden
-ein Tier kann die Trauer um einen verstorbenen Menschen nicht beenden
-ein Tier soll in eine neue Familie abgegeben werden
-der Tierhalter fühlt sich zur Zeit überfordert
-Spannungen und Streitigkeiten zwischen Tierhalter und anderen Personen (Nachbarn, anderen Tierhaltern usw.)
-Spannungen in der Familie wegen der Tiere
-Schuldgefühle einem Tier oder Tierhalter gegenüber
-das Tier entwickelt Krankheiten, die auch in der Familie vorkommen
(Krebs, Hauterkrankungen, Probleme der Bewegungsabläufe usw.)
-das Tier entwickelt Krankheiten, die schon das vorherige Tier belasteten
- Ekzem und Stauballergien bei Pferden
- Zwangshandlungen wie z.B. Koppen, Weben, Kopfschlagen
- Anfälligkeiten für Koliken, Bronchitis usw.
- extreme Ängste bei Tierarztbesuchen
- Probleme beim Hängerein und –ausladen
- Probleme beim Schmied, oder in anderen bestimmten Situationen
-die Hierarchie in der Familie ist nicht geordnet (Rangordnung)
-Ordnung und Stressabbau bei vielen Tieren in einem Haushalt
-Tiere, die im Leistungssport oder Zucht eingesetzt werden und keinen Fortschritt zeigen
-ein neu aufgenommenes Tier kann sich in die neue Umgebung/Familie nicht eingewöhnen; evtl. besteht noch die Bindung zum vorherigen Zuhause
-ein Tier wird vermisst (entlaufen, gestohlen)
-Traumatische Vergangenheit
usw. usw.
Fallbeispiel
Meine erste Tieraufstellung praktizierte ich im Herbst 2003. Es war ein erster Versuch herauszufinden, ob Tieraufstellungen auch bei unerklärlichen Verhaltensauffälligkeiten von Tieren anwendbar seien.
Einfache Aufstellungen mit Tieren im Familiensystem, ob Sympathien oder Disharmonien bestehen, oder ob ein Tier in eine neue Familie gut „passen“ würde und dort seinen Platz findet, hatten wir schon früher erfolgreich ausgetestet.
Diese erste Tieraufstellung für unser Pferd „Rio“ war der Anfang meiner inzwischen erfolgreichen Aufstellungsarbeit für Tiere. Hier zeigte sich erstmals, welche wunderbaren Möglichkeiten mit dieser Arbeit bestanden.
Und so begann alles....
Im Herbst 2003 weigerte sich unser damals 17 jähriges, kerngesundes und kräftiges Pony Rio unsere damals 10 jährige und zierliche Tochter aufsitzen zu lassen.
Rio liebte gemeinsame Ausritte, und es war ein Problem, ihn zu Hause zu lassen, ihn nicht mitzunehmen.
Zuvor war er auf der Weide wie immer munter und ausgelassen und tobte mit den anderen Pferden umher.
Wir waren also für den Ausritt bereit, und unsere Tochter versuchte noch einmal aufzusitzen. Rio weigerte sich, sprang vorne und hinten hoch und schnappte.
Ich sattelte darauf nochmals ab, um das gesamte Zaumzeug und Sattel auf evtl. „Störfaktoren“ zu überprüfen. Es war alles in Ordnung!
Rio wiederholte noch zwei Mal seine Reaktionen, ich ebenfalls meine Sattelkontrolle. Wir gaben kopfschüttelnd auf, und Rio musste unzufrieden und tobend zu Hause bleiben.
Wir blieben weiterhin ratlos, da auch eine umfangreiche tierärztliche Untersuchung keine pathologische Ursache feststellen konnte.
Einige Tage später kam mir die Idee, Aufstellungsarbeit bei Rio auszuprobieren.
Da ich gerade meine Ausbildung als Familien– und Systemaufstellerin erfolgreich beendet hatte, hoffte ich auf diesem Wege, etwas über Rios Verhalten zu erfahren.
Meine Tochter Nina ist selbständige Physiotherapeutin und stellte sich für mein „Experiment“ zur Verfügung.
Sie stellte sich stellvertretend für „Rio“ auf, um mir Auskunft über sein Befinden zu geben.
Nach kurzer Zeit fühlte sie sich wie vollgefressen, mit dickem Bauch, aber zufrieden.
Rio hatte etwas Übergewicht, er kam aus schlechter Haltung zu uns und hatte in seinem Leben zuvor viel hungern müssen. Demzufolge war er immer auf Futtersuche und nicht wählerisch.
Das Empfinden von Rio war also soweit völlig in Ordnung. Was war also los mit ihm?
Versuchsweise stellte ich einen Stuhl symbolisch gegenüber von ihm als
„Reiten“ auf.
Es dauerte nicht einmal eine halbe Minute und meine Tochter, stellvertretend für Rio, spürte starke Schmerzen von der linken Hüfte bis in den Oberschenkel.
Da sie als Physiotherapeutin über umfangreiche Fachkenntnisse verfügt, diagnostizierte sie diese Schmerzen als Ischiasschmerzen, die nur bei Belastung, bzw. Druck ausgelöst werden, Schmerzen, die beim Einklemmen des Ischiasnervs entstehen.
Wir waren der Ursache von Rios unerklärlichem Verhalten auf den Grund gekommen und konnten seine Reaktionen gut nachvollziehen. Nur bei einer wenn auch geringen Belastung des Rückens, traten bei ihm Schmerzen auf.
Er konnte sich uns gegenüber nur auf „Pferdeart“ mitteilen, die wir Menschen zunächst nicht verstanden.
Für uns war es selbstverständlich, ihn nicht mehr zu reiten.
Bemerkung
Wie viele Pferde, die altersbedingt und auch bereits in jungen Jahren diese Symptome aufweisen, werden weiterhin geritten und belastet!
Ihr „Unwille“ und „Ungehorsam“ wird ihnen nicht selten mit Schlägen und Zwang ausgetrieben.
Dass dieser „Unwille“ auch Schmerzen oder Leiden eines Tieres bedeuten könnte, wird nur selten bedacht.
Gerade die Pferdehalter und Pferdehändler, die in den Tieren nur Sportgeräte sehen, vertreten noch immer die Lehrmeinung, dass ein unwilliges Pferd mit Peitsche und Sporen gezüchtigt werden sollte, damit es diesen „Ungehorsam“ sehr schnell ablegt.
...„und bist du nicht willig, dann brauch` ich Gewalt!“
Das Pferd leidet, es kann sich nicht auf unsere Art mitteilen.
Seine Art der Mitteilung wird leider falsch verstanden.
Für die neue Möglichkeit, den Tieren mit Aufstellungsarbeit zu helfen,
bin ich sehr dankbar.
Ich hoffe, diese Arbeit wird vielen Tierhaltern einen Eindruck vom Empfinden ihres Tieres geben und somit weitverbreitete Irrtümer und Missverständnisse im Umgang und Haltung lösen.
Fallbeispiele
Auch am folgenden Fallbeispiel wird ersichtlich, dass Tieraufstellungsarbeit auch erfolgreich bei der Ursachenfindung unerklärlicher Verhaltens-auffälligkeiten unserer Kleintiere zur Anwendung kommt.
Das Zwergkaninchen von Frau B. zeigte plötzlich ein unerklärliches Aggressionsverhalten!
Frau B. erzählte mir, dass ihr ansonsten so verschmustes und zutrauliches Kaninchen plötzlich kratzte und biss, wenn sie es aus dem Käfig holen wollte. Sie konnte sich dieses Verhalten einfach nicht erklären.
Ich ließ Frau B. einen Stellvertreter für ihr Kaninchen auswählen und stellte ihn in unseren Energiekreis. Nach kurzer Zeit klagte der Stellvertreter des Kaninchens über Atembeschwerden und Druck im Bereich des Brustkorbes.
Als ich jemanden stellvertretend für die Halterin Frau B. auswählte und dem Kaninchen gegenüberstellte, verstärkten sich die Symptome bei diesem stark,
er fühlte einen noch stärkeren Druck, wie zugeschnürt, und stärkere Atemnot.
Ich nahm daraufhin die Stellvertreterin für die Halterin des Kaninchens wieder heraus, woraufhin die Symptome bei diesem wieder etwas nachließen, aber nicht ganz verschwanden. Selbstverständlich entließ ich auch den Stellvertreter des Kaninchens wieder aus seiner Rolle.
Hier lag eindeutig eine pathologische Ursache vor, die dringend tierärztlich abgeklärt werden musste. Ich riet Frau B., so schnell wie möglich einen Veterinär für Kleintiere aufzusuchen.
Schon am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf von Frau B.
Sie war beim Tierarzt gewesen und seine Diagnose lautete: Lungenentzündung.
Das Kaninchen hatte auf die Zugriffe beim Herausholen aus dem Käfig mit verstärkter Atemnot und somit Panik reagiert.
Da sich auch Kaninchen nicht verbal mit uns verständigen können, hatte das Tier dies in Angst und Panik auf seine Art getan.
Nun konnte auch Frau B. sein aggressives Verhalten gut verstehen.
Nach einer intensiven Behandlung durch den Tierarzt erfreut sich das Kaninchen nun wieder bester Gesundheit.
Bemerkung
Für eine plötzliche unerklärliche Verhaltensveränderung bei Tieren liegen immer mehr oder minder schwere Ursachen vor.
Es ist ihre einzige Art, sich uns „verständlich“ zu machen.
Durch die systemische Tieraufstellungsarbeit haben wir eine wertvolle Möglichkeit, dieser Ursache so nahe wie möglich zu kommen, um für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.
Weitere Fallbeispiele „Wenn Tiere Schicksal für uns tragen“ Vera Schulz-Henke, CH. Falk Verlag ISBN 3-89568-152-0